alevitische-lehre
Identitätsfindung im Alevitentum
Die alevitische Identität kann sich aus mehreren Ebenen zusammensetzen:
- Religiöse Identität: Alevitische Werte wie Eline, beline, diline sahip ol („Beherrsche deine Hand, deine Lende und deine Zunge“), Nächstenliebe, Gleichwertigkeit und die Verantwortung gegenüber anderen spielen eine wichtige Rolle.
- Spirituelle Identität: Die Beziehung zu Gott (Hak), die Bedeutung von Cem, Dede, Pir und der Semah können die persönliche Spiritualität prägen.
- Familiäre Identität: Für viele Menschen wird Alevitentum zunächst über Eltern, Großeltern, Erzählungen und familiäre Rituale vermittelt. Gerade die Weitergabe zwischen Generationen ist deshalb zentral.
- Kulturelle Identität: Musik, Bağlama, Gedichte von Dichtern wie Pir Sultan Abdal, Sprache und regionale Traditionen können zur Identifikation beitragen.
- Gemeinschaftliche Identität: Alevitische Vereine und Gemeinden bieten insbesondere in der Diaspora einen Raum, in dem Menschen ihre Zugehörigkeit erleben und weiterentwickeln können.
- Individuelle Identität: Alevitisch zu sein muss nicht für jeden Menschen dasselbe bedeuten. Manche verstehen sich primär religiös, andere kulturell oder ethnisch – und manche verbinden mehrere dieser Ebenen.
Quellen der alevitischen Lehre
Das Gotteswort als Grundlage des Glaubens und als Wegweisung.
Das Gotteswort dient als religiöse Orientierung und Quelle ethischer Werte. Seine Bedeutung entfaltet sich im Alevitentum jedoch im Zusammenspiel mit Vernunft, menschlicher Erfahrung, mündlicher Überlieferung und der gelebten Gemeinschaft.
Dabei werden beispielsweise Werte wie...
- Gerechtigkeit und Menschlichkeit
- Nächstenliebe
- Wahrhaftigkeit
- Gleichwertigkeit der Menschen
- Verantwortung für das eigene Handeln
- Achtung und Respekt gegenüber anderen, hervorgehoben.
- Schriftliche Quellen → https://alevi.com/wp-content/uploads/2019/04/Quellen-der-alevitischen-Lehre_Ismail-Kaplan.pdf
Glaubensgrundsätze der Aleviten
- Glaubensbekenntnis: Die Einheit Gottes, die den Menschen in den drei Gestalten Hak, Muhammet und Ali offenbart ist.
- Der Glaube an die heilige Kraft (kutsal güç) im Menschen
- Der Glaube an den Weg zur Vervollkommnung der Menschen (insan-ı kâmil olmak) bis zum Einswerden mit der Wahrheit
- Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele (canın ölmezliği)
Das alevitische Wertesystem
Die vier Tore und vierzig Regeln/Stufen sind eine grundlegende Lehre im Alevitentum, die den geistigen Weg eines Menschen zur vollkommenen Reife beschreiben.
- Das erste Tor ist das Gesetz/die Ordnung (Seriat): Äußerliche Regeln, moralische Grundlagen und das Erlernen von religiösen Pflichten und sozialem Zusammleben.
- Das zweite Tor ist der mystische Weg (Tarikat): Die innere Einkehr, die Suche nach Wahrheit und die bewusste Verpflichtung zur Gemeinschaft z.B. durch Rituale.
- Das dritte Tor ist das Tor der Erkenntnis (Marifet): Das Verstehen des eigenen Selbst, der Natur und der göttlichen Weißheit im Menschen.
- Das vierte Tor ist die Wahrheit (Hakikat): Die vollkommene Einsheit mit Gott und dem Universum, in der Liebe, Respekt und die Abwesendheit von Egoismus herrschen.
- Schriftliche Quellen: → https://alevi.com/wp-content/uploads/2019/04/Alevitisches-Wertesystem_Ismail-Kaplan1.pdf
